Arabische Sichten
Heute Morgen traf ich in Dubai ein. Es ist ein Besuch der besonderen Art. Man trifft auf Gegensätze, wie man sie selten zu sehen bekommt. Bauten bis in die Wolken, so weit das Auge reicht, neue Baustellen an jeder Ecke, es ist eine faszinierende Welt. Es ist wohl der Ort auf der Welt, an dem die Widerspüchlichkeiten der sogenannten westlichen Dekadenz und ihrer Freizügigkeiten auf die tief verwurzelten religiösen Ansichten einer arabischen Welt mit stärkster Wucht aufeinander prallen.
Es ist verwunderlich, verschleierte Frauen durch einen Supermarkt voller westlicher Produkt schlendern zu sehen, in dem die Schnäppchen des Tages auf Englisch durch die Lautsprecher angesagt werden und keiner sich daran stört. Man hat das Gefühl, dass die beste Waffe der westlichen Welt gegen den Radikalismus religiöser Fanatiker die Produkte von Wal-Mart und McDonalds sind. Staatlich auferlegte Religiösität wird brutal zerschlagen durch das Bedürfnis nach einer leichten, angenehmen Welt, egal ob sie aus dem Westen kommt. Fundamentalistische Vorgaben werden buchstäblich pulversisiert, wenn die verschleierte Mutter mit ihrer Tochter vor dem mit Fertigprodukten westlicher Art bestückten Regal steht und Preise vergleicht. Hier werden alle Menschen gleich.
Es hat einen besonderen Touch, wenn genau an diesem Tag, an dem ich solche Bilder sehe, die Opposition im Irak von neuem aufersteht und sich gegen eine Mullah-Regime aus alten Männern erhebt, das Gewalt als seine letzte Waffe zum Erhalt der eigenen Macht sieht. Heute wurde mit klarer denn je: sie werden verlieren. Die Revolution der Modernisierung wird sie hinwegblasen und keiner weint ihnen eine Träne nach. Sie haben es verpasst auf ihre Jugend zu hören und alte Traditionen und Religion mit einer modernen Welt auf moderate Weise zu verbinden. Das war ihr Fehler und sie werden ihn bitter mit totalem Machtverlust bezahlen müssen.
Auf der anderen Seite lese ich einseitige politische Kommentare über eine angeblich wiedererstarkte Rechte in Deutschland, die ihren Ursprung in Antisemitismus und Fremdenhass haben soll. Ich lese einseitige Kommtare syrischer Journalisten, die den Grund für ein Bauverbot weiterer Moscheen in der Schweiz in der Auferstehung eines neuen Nazismus sehen. Falsch: Es geht nicht um Fremdenhass, es geht um Symbole. Kein Land auf der Welt hat mehr für seinen tödlichen Nazismus bezahlen müssen als Deutschland. Und kein Land auf der Welt, hat sich mehr gegeiselt und selbst zerfleischt seiner Geschichte wegen als Deutschland. Kein Land auf der Welt, hat seine von Massenmord geprägte Geschichte bis in die letzten Ecken so ausgeleuchtet wie Deutschland. Es geht nicht um Fremdenhass. Es geht darum, dass in Deutschland die dritte Generation moslimischer Einwandererkinder kein Deutsch spricht und sich selbst kleinsten staatlichen Bemühungen der Integration verweigert. Es geht darum, dass fanatische Eltern, ihren Töchtern den Sportuntericht in kurzen Hosen verbietet und sie aus Schulen abmeldet. Es geht darum, dass wir Zuwanderung in die sozialen Systeme erleben, ohne die geringsten Bemühungen einer Anpassung an eine Welt, in der man sich entschieden hat zu leben. Hier steuert nur eine Bevölkerung gegen, die Angst hat, den Boden unter den Füssen zu verlieren.
Wo bleiben die Kommentare der syrischer Schreiber zu den öffentlichen Freudentänzen des Gaza-Streifens am 11.September? Wo bleiben die Kommentare dieser Journalisten zu den religiös inspirierten Bombenanschlägen auf Bali? Ich stand vor dem Denkmal und habe gesehen, wie noch heute Angehörige Kerzen anzünden und ihrer Liebsten gedenken, die brutal im Namen eines falschen Gottes ermordet wurden. Es gibt die Schreiber nicht, sie schweigen!
In solchen Zeitungskommentaren wird offensichtlich, wie sehr in der muslimischen Welt mit zweierlei Maß gemessen wird und wie einseitig und falsch diese Ansichten über Europa sind. Es muss erst Wal-Mart kommen, um ihnen zu zeigen, wie falsch und widersprüchlich ihre Propaganda ist. Weder Gewehre noch Gewalt werden die Modernisierung der islamischen Welt verhindern, McDonalds wird sie pulverisieren!
Ich würde nur zu gerne hören, wie dieselben Journalisten, die einen neuen Hitler in Deutschlnd beschwören, begünden, warum in Saudi-Arabien eine Frau nicht Auto fahren darf. Es ist einfach: sie ist in ihren Augen einfach weniger wert!

