Asphalt

Nightlife auf Bali ist krass. Es gibt keinerlei Lärmbeschränkungen oder Öffnungszeiten, jeder macht einfach was er will. Je mehr Geld der Besitzer des Ladens hat, desto größer der Betrieb und lauter der Lärm. Ganz einfach, der reichere ist der stärkere. Sie feiern Parties für die Wessis wie sie die Welt nicht gesehen hat. Einfach nur Vollgas. Auf den Gehsteigen sitzen die Nutten der Unterklasse und sagen etwa: “What do U want? Everything … I come with U!” Ich möchte mir das gar nicht ausmalen, wie so was geht. Wahrscheinlich hätte man länger was von, im besten Fall würde ein Antibiotikum reichen, im schlimmsten Fall wäre es tödlich.

Die Guards des Hotels fragen dann noch am Eingang: “U need young girl?” Da fragt man sich unvermittelt, wie “young” die wohl wäre? 9, 10? Die Schwester, die Nichte? Wo würde er die Nachts um halb 2 wohl herholen? Aus dem Keller? Aus dem Kinderzimmer? Aus dem Laufstall?

Morgen feiert das Hotel Weihnachtsparty. Es kostet umgerechnet 30 Euro, das ist für hiesige Verhältnisse ein kleines Vermögen. Klar mache ich da mit, das will ich sehen. Da werde ich endlich Zeuge des Speed-Trinkens: Schnäpse wegknallen auf Stoppuhr bis der Arzt kommt. Die Jungs will ich sehen, ich werde es dokumentieren!

Die Bombe

Asien ist jung und wild. Europa kommt wie vor wie die Ruhezone eines Saunabereichs – “Bitte leise reden und Türen schließen.” Ich habe mir das Bombendenkmal angesehen. Die Attentäter haben über 200 Leute ermordet. Alle Namen und die Herkunftsnation der Opfer sind sauber aufgelistet und in Stein gemeiselt, das haben sich die Balinesen nicht nehmen lassen. Noch heute kommen die Leute hierher, um ein Bild ihres Angehörigen aufzustellen und eine Kerze anzuzünden. Wie wirr im Kopf muss man sein, um an einem solchen Ort eine Bombe zu zünden. Ich glaube, man hat die Attentäter erwischt und auch gleich aufgehängt, das geht in Ordnung.

Einer der Sicherheitsmänner vorne am Gatter redet gerne. Er erzählte, dass er etwa 100 Dollar im Monat macht mit seinem Job. Ferien könne er sich nicht leisten. Er muss durcharbeiten, um noch ein paar Kröten für seine Familie abzweigen zu können, 12 Stunden am Tag, auch zu Weihnachten. Er hat sich aber nicht beklagt, er hat es nur erzählt. Er sagte er sei Hindhu, Geld sei ihm nicht so wichtig. Wichtig sei ihm ein zufriedenes Leben! Das ist erstaunlich abgeklärt für einen 24 jährigen der noch Träume haben sollte. In diesem Alter war ich noch weit weg von solchen Gedanken und habe waghalsige Pläne geschmiedet um an Geld zu kommen.