Der Wahrheit
Liebe Tennismitglieder,
als ausgeschiedener Abteilungsleiter möchte ich die heutige Mitgliederversammlung nutzen, um ein
paar Worte zu meiner Arbeit der letzten 3 Jahre zu sagen. Ich werde hier weder
eine Anklageschrift noch ein Leidensbekenntnis verlesen, sondern werde mich darauf beschränken,
die wichtigsten Dinge meiner Arbeit wiederzugeben.
Ich habe während meiner Amtszeit sehr viel Energie und Engagement in unseren Verein gesteckt und ich
habe diese Arbeit immer und bis zuletzt mit großer Freude getan. Ich habe versucht, den Bau eines
neuen Kunstrasenplatzes für die Übergangszeit im Frühling und Winter in die Wege zu leiten, die
Erneuerung des Weges zu starten, die Sanierung unserer Plätze vorzubereiten und andere Dinge
mehr. Ich habe versucht auf Eure Vorstellungen und Ideen einzugehen und
aus unserem Verein ein kleines, modernes Schmuckkästchen zu machen.
Wie ihr wisst, ist mir all dies nicht gelungen, es war mir nicht einmal vergönnt,
meine Arbeit mit einem versöhnlichen Abschluss zu besiegeln, die
Abteilung steht heute zerrissen da. Hierfür möchte ich mich bei
Euch allen entschuldigen. Ich hätte viel dafür gegeben, ein Happy-End zu erreichen.
Auf der anderen Seite denke ich jedoch , dass jedes Ende auch zugleich ein neuer
Anfang ist und ich bin fest davon überzeugt, dass die Tennisabteilung auch mit dieser schwierigen
Situation fertig werden wird, ja sogar gestärkt daraus hervorgehen wird.
Meine Arbeit im Ausschuss war nicht immer von diplomatischem Geschick geprägt und ich weiss, dass es
den einen oder anderen Moment gab, in dem umschreibende Worte besser gewesen wären als die direkte
Ansprache oder die verbale Keule. An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal bei allen Personen
entschuldigen, mit denen ich hier und da hart ins Gericht gegangen bin und die dies als perönlichen
Angriff verstanden haben. Direktheit ist und bleibt ein Teil meines Naturells, ich möchte
dies auch nicht ändern.
Der Kardinalfehler während meiner Zeit als Vorsitzender war meine private Verquickung im Verein. Ich
erkenne heute, dass ich die Auswirkungen solcher Dinge unterschätzt habe, kann aber
Geschehenes nicht ungeschehen machen, auch wenn ich es wollte.
Die ersten Probleme in der Arbeit im Ausschuss traten auf, als Ungereimheiten bezüglich der Art der
Rechnungsbegleichung offenkundig wurden. Als Ausschussvorsitzender und rechtlich Verantwortlicher
für die finanziellen Aktivitäten der Abteilung, konnte und wollte ich solche Dinge nicht
tolerieren, zumal es keine Einzelfälle waren. Sie zeugen für mich von einer indiskutablen und unseriösen
Auffasung gegenüber dem Geld anderer Leute.
Ich habe nach dem bekannt werden dieser Dinge sofort entsprechende Gegenmaßnahmen eingeleitet und
im Ausschuss scharf auf die Untragbarkeit dieser Vorgänge hingewiesen. Dass ich dabei nicht
zimperlich sondern sehr direkt war ist mir selbst bekannt.
Zugleich habe ich eine Reihe weiterer Maßnahmen veranlasst, von deren Richtigkeit und Wichtigkeit
ich auch heute noch überzeugt bin.
1) Ich habe ab diesem Zeitpunkt darauf bestanden, dass es keinerlei schwarze Kassen mehr in der
Tennisabteilung geben wird. Mir war bis zu diesem Zeitpunkt
nicht bewusst, wir normal die Existenz und die Arbeit mit solchen Kassen ist. Dies nicht früher erkannt
und gegengesteuert zu haben, war aus heutiger Sicht ein schwerer
Fehler von mir. Ich wollte und konnte als Abteilungsleiter jedoch nicht für Dinge verantwortlich sein,
die außerhalb meiner Kontrolle liegen und habe daher auf die Umsetzung dieser Vorgabe bestanden.
Die Attacke auf schwarze Kassen stieß im Ausschuss nicht nur auf Gegenliebe, ich bin jedoch
heute noch mehr als zuvor davon überzeugt, dass diese Vorgehensweise richtig war.
2) Ich habe veranlasst, dass es keinerlei kontrollfreie Räume mehr in unserer Vereinsarbeit geben
kann. Hierzu gehört insbesondere die Handhabung von Geldern für die Jugend, die von Mitgliedern
zweckgebunden gespendet werden. Auch diese Gelder müssen einer Kontrolle unterliegen. Hierzu gehört,
dass diese Gelder kontrollierbar und geordnet entnommen, verwahrt und verbucht werden müssen. Dies war
bis dahin nicht der Fall.
Durch die Anordnung dieser Dinge und die konsequente Verfolgung dieser Anweisungen habe ich mir
den Unmut und den Zorn von Teilen des Ausschusses zugezogen und es stand plötzlich der
Vorwurf des Misstrauens im Raum. Ich möchte diesen Vorwurf heute noch einmal in aller
Schärfe zurückweisen. Die Kontrollierbarkeit von Vorgängen und Geldern
hat nichts, aber auch gar nichts mit Misstrauen, sondern vielmehr mit korrekter Arbeit zu tun. Es wäre
zum damaligen Zeitpunkt sicherlich einfacher gewesen, die Dinge so belassen wie sie waren, ich hatte
mich jedoch entschlossen diese Maßnahmen umzusetzen.
Von diesem Moment an, waren meine Tage als Abteilungsleiter gezählt. Bis zuletzt haben sich
Mitglieder des Ausschusses gegen die Offenlegung und Abschaffung dieser kontrollfreien Räume verwehrt
und die Anweisungen zur Umsetzung dieser Maßnahmen nicht befolgt. Ich kann bis heute nur spekulieren warum.
Eine ordentliche Ausschussarbeit fand schließlich nicht mehr statt nachdem ich veranlasst hatte, dass
auf Konten der Tennisabteilung ausschließlich der Kassierer der Abteilung und der Abteilungsleiter
selbst Zugriff hätten und Buchungen vornehmen könnten, Dinge die in einem Verein eigentlich
selbstverständlich sein sollten. Auch dies war in unserer Abteilung bis dahin nicht der Fall.
Die entsprechende Korrektur der Kontenvollmachten führte schließlich dazu, dass
manche Ausschussmitglieder die ihnen angedachten Aufgaben nicht mehr wahrnehmen wollten
und die Arbeit für den Verein verweigerten. Wieder andere Mitglieder des Ausschusses kamen mit
der vergifteten Atmosphäre nicht mehr klar und gaben ihr Amt auf.
Den Todesstoss als Abteilungsleiter erhielt ich, als die von den Anordnungen betroffenen
Personen hinter meinem Rücken eine konspirative, geheime Sitzung gegen mich organisierten.
Die Tatsache, dass Mitglieder eines Ausschusses nicht den Mut haben, ihre Meinung in den dafür
vorgesehenen Gremien zu äußern, sondern hinter dem Rücken anderer destruktive Pläne
schmiedeten, war für mich bis dahin undenkbar, ich wurde eines Besseren belehrt.
Heute werte ich die Organisation diese Treffens und die Teilnahme durch Ausschussmitglieder an diesem
Treffen als gemein, feige und verachtenswert. Dieses Geheimtreffen war es auch, was mir
den Abschied aus der Abteilungsarbeit leicht gemacht hat.
Liebe Tennismitglieder,
letztendlich bin ich als Abteilungsleiter daran gescheitert, dass ich Dinge, die
aus gutem Grund in unserer Satzung verankert sind, gegen den Widerstand und die Weigerung einiger weniger
nicht durchsetzen konnte.
Hier stellt sich für mich die Systemfrage: Wie kann eine Person eine Abteilung entsprechend einer
Satzung leiten und gar
verantwortlich sein für deren Aktivitätenen , wenn Mitarbeiter Anweisungen missachten
und eigene, interne Strukturen aufbauen. Ich halte diesen Tatbestand für sehr bedenklich.
Von Anfang an hatte ich die Vision einer offenen und transparenten Vereinsabteilung, der man
gerne beitreten möchte. Ich bin an dem erbitterten Widerstand einiger gescheitert und habe es
nicht geschafft, eine solche Gemeinschaft zu schaffen. Dennoch scheide ich nicht verbittert
aus dem Amt. Es waren sehr emotionale Jahre und ich möchte keinen einzigen Moment davon missen.
Liebe Mitglieder,
abschließend möchte ich meinem Nachfolger, wer auch immer es sein mag,
ein paar Tipps mit auf seine Reise geben, von denen ich hoffe, dass sie
ihm bei seiner Arbeit behilflich sein werden.
1) Schreibe alles auf! Was nicht auf Papier steht, wurde hinterher nie gesagt und existiert nicht!
2) Verzettle Dich nicht in Details, gib’ nur die grobe Richtung vor.
3) Die Satzung ist Deine Bibel! Poche auf sie und beachte auch selbst immer alle Regeln.
4) Poche auf Regeln, immer und ohne Kompromiss! Es darf nichts, aber auch
gar nichts, unter Umgehung der Regeln passieren!
5) Informiere immer alle über alles. Dinge, die man nicht sagen darf und über die man
nicht informieren darf, sollte es im Idealfall nicht geben.
6) Wenn Du von etwas überzeugt bist, bleibe bei Deiner Meinung und gehe keinen
Kompromiss ein, zieht es durch, auch wenn alle weinen.
7) Was schon immer so war, muss nicht immer so bleiben! Ändere Dinge wenn Du es für
nötig hälst. Stagnation und Stillstand ist der Tod!
Höre gut zu wenn Mitglieder reden und achte auf das, was in Nebensätzen gesagt wird!
9) Nimm’ Dich selbst zurück!
Vielen Dank

